Einen Herzschlag entfernt

die Geschichte einer Mutter

"Diese faszinierende Memoir über den Kampf einer Mutter um das Leben ihres Babys zu retten, welches mit nur einem halben Herzen geboren wurde, in einem fremden Land, von dem die Mutter weder jemanden kannte, noch die Sprache verstand, wird sie inspirieren durchzuhalten, entschlossen zu sein und niemals aufzugeben wenn sie mit einer Herausforderung konfrontiert werden."

Dean Ornish, M.D.
Founder & President, Preventive Medicine Research Institute
Clinical Professor of Medicine, UCSF
author, The Spectrum

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"Tracie ist eine Heldin. Mögen viele Eltern aus ihren Erfahrungen lernen."

Dr. med. Dipl. Psych. Alex Gillor


"Diese Geschichte von Marc zeigt das Beispiel einer entschlossenen Mutter, die nie die Hoffnung verloren hat und weltweit nach einer Möglichkeit suchte, das Leben ihres leidenden Kindes zu retten. Ich bin sicher, dass der Leser durch diese gut geschriebene, mitfühlende und überzeugende Erzählung ergriffen sein wird."

Aldo Castañeda, M.D. Ph.D.


"Eine Geschichte, die Eltern inspiriert, voller Liebe Humor und Kummer. . . Sprachlicher Reichtum ist im gesamten Text zu finden."

KIRKUS REVIEW


"Durchweg wunderschöne Formulierung. Die emotionale Nacherzählung der Geschichte aus Sicht der Autorin, zeigt große Kraft durch das erneute durchleben, federt zu schönen Formulierungen und visuellen Beschreibungen wie das überbrücken Ihrer Herausforderungen. Autorin vermittelt Emotionen in enormer sensorischer und auf Erfahrung beruhender Beschreibung, wie z.b. „das Gebrüll von der Grube Ihres Magens“. Wir verstehen ihre Verwirrung, ihren Schock, ihre Angst und wir werden durch ihrer Beschreibung der Worte der Ärzten als Instrument der Folter getroffen. Sehr gut getroffen. Autorin malt die Umgebungen sehr gut, ergänzt sensorische Details, welche die Szenen zum Leben erwecken und Dialoge werden mit Energie und Verbindungen verinnerlicht. Sehr gut gemacht. Von ihrer Erfahrung lernen wir den Unterschied zwischen dem ändern einer Meinung von jemandem und dem nicht akzeptieren der Meinung anderer.
Da ist sehr stark und einer der größten Geschenke des Buches. Sehr gut gemacht. Der Widerstand der Ärzte Ihren Sohn in die Pflege amerikanischer Mediziner freizugeben bewegt den Leser, da unsere Herzen in der Idee versinken, dass diese doch eher besorgt sein müssten, nicht in der Lage zu sein, den Fall Ihres Sohnes gut genug behandeln zu können. Die Autorin nutzt alle Groß-/Kleinschreibung in Ihrer Reaktion so gut. Wir schreien mit Ihr an Ihrer Seite. Die Autorin hat eine bewegende Geschichte gestaltet, die als großartige Anleitung für jeden Leser gelten kann, der einer ähnlichen Situation ins Auge sieht. Gut gemacht! Die Schreibstimme der Autorin trägt uns zuversichtlich durch einige undenkbar schwierige Momente, während sie uns gleichzeitig umarmt."

25th Annual Writer’s Digest Self-Published Book Awards judge's commentary


"Bedingungslose Liebe gepaart mit Tatkraft und Mut zeichnen die überwältigende Lebensgeschichte von Marc aus. Daraus schöpfe ich Kraft für meine Arbeit und mein Leben."

Sonja Klima - Präsidentin der Ronald McDonald Kinderhilfe, Österreich


"Tracie Frank Mayers 'Einen Herzschlag entfernt' drückt gleichzeitig auf die Tränendrüse und erwärmt das Herz. Eine wahre Geschichte voller Poignanz und Leidenschaft, die die Leser weinen, lachen und feiern lässt."

Heather McNamara for IndieReader


"Angeborene Herzfehler sind eine führende Ursache für Säuglingserkrankungen und deren Tod. Es besteht sicherlich ein dringender Bedarf an mehr öffentlichem Bewusstsein. Ich wünschte, ich hätte eine solch inspirierende Geschichte vor etwa dreißig Jahren gelesen, als meine Reise begann. Wir können Fakten und Zahlen erforschen, aber am besten lernen wir durch solche Geschichten.

Wir leben für die Inspiration.

Das Leben ist voller Enttäuschungen und keiner von uns ist dagegen immun. Das Unwahrscheinliche scheint ein Leben lang fern zu sein. Die Wahrheit dagegen ist, dass wir manchmal etwas gewinnen oder verlieren und manchmal verlieren wir alles. Wir kämpfen uns täglich durch das Leben und unabhängig der Größe unserer Herausforderungen suchen wir inspirierende Geschichten von Glaube und Hoffnung. Besonders wenn man auf die Probe gestellt wird.

Einen Herzschlag entfernt–die Geschichte einer Mutter ist ein Beweis für die Ausdauer des menschlichen Geistes.

Die Botschaft von meiner Geschichte kann ich Ihnen in 3 Wörtern sagen: Gebt niemals auf!

Ich möchte Sie durch Marcs and meine Geschichte ermutigen wenn Sie für irgendwas in ihrem Leben kämpfen müssen, sei es Gesundheit, wie auch immer– bitte, geben Sie nicht auf! Halten Sie durch! Seien Sie mutig in Ihren Überzeugungen, und seien Sie überzeugt von Ihrem Mut!

Um unser höchstes Potenzial im Leben zu erreichen, müssen wir manchmal Kämpfer sein. So be driven. Push. Und erkennen Sie, dass Charakter in schwierigen Zeiten entwickelt wird. Das Leben ist zu kurz und zu kostbar, um nonchalant zu sein.Wir können Widrigkeiten trotzen. Wir können unsere Widerstandsfähigkeit entwickeln. ALLES ist möglich denn aufgeben gibt’s nicht und das ist das Herz aller Dinge!

Gebt niemals auf!"

Tracie Frank Mayer


Lesen Sie das erste Kapitel


Irgendetwas stimmt nicht

Marc lag relativ entspannt auf der harten, glatten Oberfläche des Untersuchungstisches, die zwei Druckknöpfe seines Bodys waren geöffnet, das Hemdchen hochgezogen, man sah seinen zarten Bauch und die winzige Brust. Ich war dankbar, dass es in dem kleinen Raum warm war. Ich zog meinen Stuhl so nah an ihn heran wie es nur ging, rutschte auf die Kante, beugte mich über ihn und begann, ihm zärtlich über seinen Kopf und das Gesichtchen zu streicheln, über seinen linken Arm und das linke Bein, die Teile seines Körpers, die ich am besten erreichen konnte. Ich hätte ihn am liebsten aufgefressen, mit Haut und Haaren, wenn das nicht die Untersuchung gestört hätte. So beruhigte und tröstete ich ihn, und flüsterte ihm meine Liebe zu.

“Alles wird gut, mein Schatz. Ja, ja, du bist Mamas süßes Baby. So ein lieber Junge, ja, mein Schätzchen. Mama und Papa haben Dich lieb, Alles ist gut. Mamas Süßer.”

Wie kleine bunte Schmetterlinge huschte sein zartes Babygemurmel durch den Raum. Dann und wann bewegte er sich oder strampelte mit seinen kleinen Beinchen. Die ganze Zeit über streichelte ich ihn, küsste und tätschelte ihn, völlig hingerissen. Immer, wenn ich ihn ansah, wurde ich von diesem “Ich-kann-es-gar-nicht-fassen-mein-Baby-liegt-hier-vor-mirund-ich-liebe-ihn-so-sehr-dass-ich-es-kaum-ertragen-kann” – Gefühl überwältigt. Mein Herz und meine Seele brannten vor rückhaltloser Hingabe an ihn. Ich sah zu, wie er manchmal den Kopf hin- und herbewegte, und ich hätte schwören können, dass er die Welt um ihn herum betrachtete, vielleicht neugierig, was sich da für ein Eindringling kreuz und quer über seine Brust bewegte. Dreizehn Tage alt. Was geht wohl durch seinen Kopf?

Seine Mandelaugen weiteten sich, als er den Kopf in meine Richtung wandte, meiner Stimme folgte, sein winziger Rosenknospenmund öffnete sich, suchte den Zeigefinger, mit dem ich seine Wange streichelte. Seinen starken Saugreflex hatte ich in den vergangen 13 Tagen schon sehr gut kennengelernt. Mir kam das Ultraschallbild in den Sinn, sicher verwahrt, wie er mit 12 Wochen auf dem Rücken schwebte, die Füße nach oben gereckt, den Daumen im Mund. Schon vor seiner Geburt hatte ich beschlossen, dass ich keinen Schnuller benutzen würde, dieses Zauberding, das wie auf Knopfdruck seine Schreie beruhigen, ihn in Zufriedenheit wiegen würde. Er hatte doch mich. Wofür brauchte er da einen Schnuller?

Mein Finger war schon bereit, gekrümmt, an dem glatten Knöchel würde er gleich anfangen zu nuckeln. Ich wusste, dass er noch nicht hungrig war und war mir sicher, dass dieses Friedensangebot ihm helfen würde, sich wohl zu fühlen. Das gefiel mir: die Mutter, die Quelle der Befriedigung. Überwältigt von einer Welle der Liebe, hatte ich mehr als den Wunsch ihn zu ernähren, zu beschützen und für ihn zu sorgen; ich wollte sein Ein und Alles sein.

Obwohl ich noch Neuling war was Babys und ihre Bedürfnisse angeht, war ich kein bisschen nervös, im Gegenteil, ich fühlte mich absolut wohl damit, die Mutter meines Sohnes zu sein. Abgesehen davon, dass der liebe Gott mich mit einem Kind gesegnet hatte, empfand ich die unbändige Freude, die ich spürte wenn mein Baby friedlich, satt und zufrieden war, als eine zusätzliche Belohnung. Schon komisch, was wir in den verschiedenen Phasen unseres Lebens als befriedigend empfinden.

Nicht einmal hat er gejammert, er wurde auch nicht unruhig als der Professor sein Unterhemdchen öffnete, einen Klecks Gel auf seine winzige Brust schmierte und begann, den Kopf des Ultraschalls vorsichtig durch die klebrige Masse hin und her zu schieben. Er schrie nicht ein einziges Mal. Ich war wie hypnotisiert.

Helmut saß links von mir, die Hand in meinem Schoß, ab und zu trommelte er leicht mit den Fingern. Seine Berührung beruhigte mich, so wie sie ihn selbst beruhigte, so wie meine Berührung, da war ich mir sicher, Marc beruhigte. Die Hand meines Mannes auf mir, meine Hand auf unserem Sohn, eine Kette der Berührung, der Liebe.

Wir blickten aufmerksam auf den Ultraschallkopf, der langsam hin und her glitt. Wir beobachteten, wie er methodisch an beiden Seiten zum Hals hinauf glitt, dann wieder Richtung Brust, Zentimeter für Zentimeter, und erst auf der linken und dann der rechten Seite zögerte. Der Kopf glitt wieder zum Bauch, und hielt inne. Wieder rauf zur Brust. Nach links, dann nach rechts. Hin und her. Rauf und runter. Von der einen Seite zur anderen. Langsam. Die Bilder auf dem Monitor des Ultraschallgerätes sagten uns nichts. Es hätte auch griechisch sein können. Helmut bedeckte meine linke Faust mit seiner rechten Hand und zog sie in seinen Schoß. Er hielt meine Hand ein paar Minuten lang, fest und unbewegt. Ich wusste nicht, ob es sein Pulsschlag war, den ich fühlte, oder meiner. Kurz darauf bemerkte ich wie er meine klammen Finger aufbog, die Hand öffnete und sie flach an sein Hosenbein drückte. Er drückte meine Hand einen Moment lang, tätschelte sie zweimal, und legte seine eigene darüber. Das Drücken und Tätscheln sollte wohl bedeuten dass, selbst wenn er seine Hand wegnähme, meine liegenbleiben sollte. Obwohl ich kein Deutsch sprach und er sich mit Englisch schwer tat, hatten wir unsere eigene Sprache; eine gewisse Berührung, ein Blick oder eine Bewegung sprachen Bände, die nur wir verstanden. Ich blickte sein Gesicht von der Seite an. Und sah augenblicklich die Anspannung, die an uns beiden nagte. Vor unserer Hochzeit vor sechs Monaten, als wir beide auf unterschiedlichen Kontinenten lebten, reichte der bloße Gedanke an ihn, mein Herz schneller schlagen zu lassen. Und vor meinem geistigen Auge lächelten seine Lippen und seine Augen beständig, ja, sein ganzes Wesen lächelte. Jetzt bildeten seine Lippen einen harter Schnitt in einem starren und ernsten Gesicht. Sein Unterkiefer bewegte sich vor und zurück als würde er mit den Zähnen knirschen. Knirschen und entspannen. Knirschen und entspannen. So hatte ich ihn noch nie gesehen und es gefiel mir gar nicht. Ich fing an, auf meinem Stuhl herumzurutschen. Warum dauerte das nur so lang?

Erwartungsvoll blickte ich den Professor an. Er saß auf der andern Seite der Patientenliege, er war in Reichweite.

“Ist das Ihr erstes Baby? Was hat Sie den langen Weg von Amerika nach Deutschland gebracht? Oh, ich verstehe! Das ist wahre Liebe. Seit wann leben Sie nun schon hier? Umhmm… nun, ich spreche ein bisschen Englisch, aber natürlich lieber Deutsch… Ist es sehr anders hier zu leben als in Amerika? Aus welcher Stadt kommen Sie? Heute ist wirklich ein schöner Tag, oder? Machen Sie sich keine Sorgen. Die Untersuchung wird Ihrem Sohn nicht weh tun.”

Small Talk, der nur in meiner Phantasie stattfand. Ein Profil wie gemeißelt, gab er nicht einen Laut von sich, nicht mal ein Du-du-du für unseren Sohn. Zu hartgesotten sogar, um sich zu räuspern, machte er stur weiter, immer hin und her mit dem Scannerkopf. Er blickte nur kurz vom Monitor auf seine Hand um die Position zu checken, sonst bleib sein Blick rigoros auf den Bildschirm geheftet. Ich hätte gern die Hand nach ihm ausgestreckt, ihm auf die Schulter getippt und gefragt “Doktor, wonach genau suchen Sie? Wie oft haben Sie das hier schon gemacht? Warum dauert das so lange? Warum hat uns niemand - NIEMAND bisher gesagt, warum wir überhaupt hier sind? Werden alle Neugeborenen in Deutschland so untersucht, oder ist das eine irgendwas Internationales? War es das denn jetzt? Was ist der kleine pulsierende Punkt dort?”

Aber ich habe mich nicht getraut. Er war dermaßen unnahbar. Reserviert. Kühl wie Granit. Vielleicht war es sein Titel, der mich zurückhielt; vielleicht sprach man ja einen Professor nicht einfach so an. Vielleicht war es sein gestärkter weißer Arztkittel. Mir kam urplötzlich die Frage nach den Benimmregeln zwischen Arzt und Patienten in den Sinn. Ich fragte mich, ob es so etwas wohl gab? Und wie funktionierte es? Sollte ich mit meinen Frage warten, bis er mit der Untersuchung fertig war, wäre es unhöflich, zwischendrin Fragen zu stellen? Würde es ihn irritieren? Verärgern? Und dann war da noch die Frage der Verständigung. Ich wusste nicht, ob er Englisch verstand; wenn er das nicht tat, dann wäre ein Gespräch in gebrochenem Englisch und gestammeltem Deutsch nach dem Motto “hab ich ihn verstanden - hat sie mich verstanden - habe ich sie verstanden, oder er mich” der Mühe nicht wert. Nach Verrenkungen auf Deutsch war mir grad nicht. “Lass ihn einfach machen, sagte ich mir. Das ist bestimmt alles bald vorbei. Er wird dir sowieso sagen, dass alles bestens ist – also lass ihn in Ruhe arbeiten damit er endlich fertig wird und wir zusammenpacke und hier abhauen können.” Er hat mich nicht getröstet, hat mir nie gesagt ich soll mich entspannen, also tat ich das auch nicht, ich konnte es nicht. Wissen Sie, tief drinnen dachte ich natürlich, wenn jemand in ein Krankenhaus geschickt wird, dann hat das einen Grund, aber ich hatte keine Ahnung, warum man uns hierher geschickt hatte. Und ich war absolut davon überzeugt, dass mit unserem Baby alles in Ordnung war. Also, was war los? Verflixt. Nicht mal Polster zum Zurechtrücken hatte dieser unbequeme Stuhl.

30 Minuten vergingen, eine Reise von der Wiege zum Grab. Keiner hatte ein einziges Wort gesagt, und ich wurde zusehends erschöpfter. Außer Marcs süssem Gebrabbel und meinem Flüstern herrschte in dem Raum eine unheimliche, ungemütliche Stille. Es gab keinerlei Hinweis auf den Vulkan, der sich gerade anschickte auszubrechen. Der Professor bewegte weiter den Ultraschallkopf. Dann, mit den Augen noch immer fest auf den Monitor gerichtet, mit schwerem deutschen Akzent, sagte er, “Was ich sehe ist leider nicht gut.”

Das Gesicht schmerzverzerrt, schlug sich Helmut mit der offenen Hand an die Stirn, er seufzte gequält und sackte auf seinem Stuhl in sich zusammen. Ich dagegen saß stocksteif auf meinem. Ein undefinierbares Gefühl der Angst ergriff mich mit solcher Wucht, dass ich kaum atmen konnte. Ohne nachzudenken packte ich mit der einen Hand Helmut am Jackenärmel während die andere Marc festhielt. Meine Stimme war plötzlich rau, als ob meine Stimmbänder ausgetrocknet wären und es kam nur ein Flüstern heraus.

“What did he say, Helmut?”

Es war wohl nur ein Augenblick, aber es schein wie eine Ewigkeit bis er mir antwortete. Von seinem Stuhl aus konnte er nicht wirklich das Gesicht des Professors sehen.

Ich schon. Ich beugte mich etwas nach rechts, und machte einen langen Hals, um Helmut über die Schulter zu schauen, und sah in seinem Gesicht nichts als Ausgeglichenheit. Ein Moment verging….vielleicht wartete er ja darauf, dass der Professor sagen würde, er habe sich geirrt, dass wir nun wieder atmen könnten. Vielleicht hat er ja einfach seinen Ohren nicht getraut oder gedacht, er hätte ihn missverstanden. Der Professor bewegte weiter den Ultraschallkopf. Die Stuhlbeine kratzten über den Boden als ich aufsprang, Helmuts Jacke losließ und seine Schulter packte, immer noch die andere Hand auf unserem Sohn, die Kette war noch da. Ich spürte Panik aufkommen als ich versuchte, die blendenden Lichtblitze, die meinen Blick verzerrten, wegzublinken. Die Wände schienen näher zu kommen. Ich musste die Ruhe bewahren. Alles würde sich aufklären. Gepackt von einem heftigen, heissen Schwall des Grauens, das mir auf den Magen schlug und die Eingeweide zu Wasser werden lies, hätte ich nicht schreien können, selbst wenn ich gewollt hätte. Der Ausbruch von kaltem Schweiß gab mir die Gewissheit, dass jetzt vom Himmel kommend ein Krieg ausbrechen würde, und dass mir nichts und niemand helfen konnte, das zu verhindern. Ich war hilflos angesichts ”Was ich sehe ist leider nicht gut” das in meinen Ohren nachhallte. Ich verstand die Worte zwar nicht aber Helmuts Reaktion hatte mich destabilisiert. Zu Tode erschreckt. Ich konnte hören wie ich nach Luft schnappte. Ich riss beinahe den Ärmel seiner Lederjacke ab. Ich versuchte mich unter Kontrolle zu halten, aber meine Stimme versagte fast.

“What did he say, Helmut?”

Ich spürte den Blick des Professors.

“Spricht ihre Frau Deutsch?”

Helmut schüttelte den Kopf. “Nein”, sagt er.

Mit der Hand noch an seiner Stirn, den Ellenbogen auf den Untersuchungstisch gestützt, hob Helmut seine freie Hand und tastete nach meiner. Er drehte sich und blickte zu mir auf, Tränen in den Augen. Er zuckte zusammen bevor er sprach und als er dann doch den Mund öffnete, klang seine Stimme als gehörte sie jemandem anderen.

“Da ist etwas nicht in Ordnung”, flüsterte er.